wie ökologisch ist ökologisch?
Grundlagen einer Ökobilanz


Bilanzen dienen der Erkennung von positiven oder auch negativen Ergebnissen einer Tätigkeit oder von Umständen, bei denen es zwei oder mehrere Sichtweisen gibt.
Nachfolgend soll hier zumindest ansatzweise ein Beispiel einer Ökobilanz eines Dämm-Materials erstellt werden. Dabei ist wichtig, dass idiologische Gesichtspunkte die nachweislichen faktischen Gesichtspunkte nicht verdrängen dürfen.

Kork erfreut sich als Dämm-Material einer ungeahnten Renaissance. Wurde er als Dämmstoff in der Vergangenheit vorwiegend im Bereich der Flachdächer eingesetzt, versuchen in der Neuzeit Bauherren, den Dämmstoff in fast allen Bereichen des Hausbaus zu verwenden. Sei es als Dämmstoff, als Fußbodenbelag oder als Tapete.
Kork gilt als ökologischer Dämmstoff, der zudem den Vorteil hat, das es ein nachwachsenes Material ist. Hier beginnen aber bereits die ersten Probleme.
Korkeichen wachsen überwiegend in Südfrankreich, Portugal, Spanien, Tunesien und in Teilen Marokkos. Dabei sind die Anbauflächen umfangmäßig recht eingeschränkt, auch wenn sich die Zahl von rd. 2,5 Millionen Hektar Anbaufläche gigantisch anhört. Eine extreme, dem Bedarf angepasste Ausweitung der Flächen, würde zu riesigen Plantagen mit krankheitsanfälligen Monokulturen führen. Um den Schädlingen herr zu werden, müssen große Mengen Insektiziede eingesetzt werden. Der erste Wehmutstropfen in der Bilanz.
Korkeichen wachsen recht langsam. Etwa alle 7-9 Jahre kann sie geschält werden. Und von der Rinde sind nicht alle Teile auch für die Produktion von Dämmstoffen geeignet, ebensowenig wie für Korken bei Wein- oder Sektflaschen.
Ein weiteres Manko sind die sehr langen Transportwege. Allein der Bedarf an Energie, der notwendig ist, den Kork nach Deutschland zu bringen ist so groß, dass heimisch hergestellte Dämmstoffe wieder eindeutig punkten können. Moderne Glas-, Steinwoll- oder Mineralfaserdämmungen können gut komprimiert und dann verpackt werden, was sich sehr günstig auf die Energiebilanz, gerade für den Bereich des Transports, auswirkt.

Kork hat aber durchaus positive Seiten in der Bilanz. Als Bodenbelag oder Tapete hat er eine gefühlsmäßig angenehme Oberfläche mit einer gefühlt warmen Oberflächentemperatur.
Das Material wird gem. DIN 4102 in die (alte) Brandstoffklasse B2 (normal entflammbar) eingestuft. Im Vergleich ist eine Mineralfaser-Dämmung ohne organische Bestandteile in die Brandschutzklasse A1 = nicht brennbar eingestuft. B2 ist im normalen Hausbau allerdings als ausreichend anzusehen.
Anderen, ebenfalls als alternative Dämmstoffe bezeichneten Materialien wie z. B. Hanf, Flachs oder Schafwolle, müssen z. B. Borsalze zugesetzt werden, damit sie die notwendige Brandschutzklasse erreichen. Borsalze können in Verbindung mit Wasser salzige Säuren ergeben, was bei Brandfällen das Grundwasser nachhaltig gefährden kann.

Der Kork kann bei dem Einsatz als Dämm-Material ohne zusätzlichen Schutz gegen Insektenfraß eingesetzt werden. Das gilt allerdings auch für Glas- oder Steinwolle. Insofern herrscht hier Punktgleichheit.

Kork steht zudem in dem Ruf, als Belag oder Tapete vor allem bei Allergikern eine geringe Belastung darzustellen.

Als Fazit und unter dem Aspekt der rein energetischen Bilanz betrachtet, schneidet Kork nicht unbedingt vorteilhafter ab als beispielsweise Mineralfaser-Dämmungen.
Mit Ausnahme der geringeren allergischen Belastung bietet Kork weder als Dämmstoff noch als Bodenbelag eine wirklich positive ökologische Bilanz. Bei der oben angesprochenen Ausweitung der Anbauflächen, käme sicherlich der negative Faktor des Einsatzes von Insektizieden hinzu.