|
Einen
wichtigen Raum dieser Messe nahm die öffentliche Kundgebung
in dem Obergeschoß der Halle 1 ein. Der ZVDH Präsident
erklärte in einer Grundsatzrede, daß es aus Sicht des
Handwerks keinen Sinn machen würde, den großen
Befähigungsnachweis abzuschaffen und darauf zu hoffen, daß
durch Neugründungen Arbeitsplätze geschaffen würden.
Es brauchte nicht mehr Betriebe, es brauchte mehr bezahlbare
Arbeit in Deutschland. Es wäre nach seiner Ansicht
sinnvoller, die Mehrwertsteuer für den Bereich der
handwerklichen Arbeiten statt wie nun in Schleswig Holstein
angedacht zu erhöhen, diese zu senken.
Auch in Sachen
Ausbildung müßte einiges geschehen. Der Rede des
Präsidenten folgte ein lang anhaltender Applaus.
|
 Eindecken
eines Reetdaches.
|
|
Wer
nun auffallende Innovationen erwartete, der wurde in Hamburg
wiedereinmal enttäuscht. Auch wenn es im kleinen Rahmen
dennoch Neuerungen gab, die eigentlich pfiffig sind. Direkt
neben einem großen Hersteller von Dachflächenfenstern,
klein und fast ein wenig verschämt fanden wir eine echt
innovative Geschichte. Es handelt sich dabei um ein elektrisch
betriebenes Dachflächenfenster der besonderen Art. Werden
bei den herkömmlichen Fenstern die Flügel nach oben
oder seitlich geklappt, hat hier ein Motor die Aufgabe
übernommen, einen Fensterrahmen nach oben, unter ein
weiteres starres Element zu fahren.
Mit nahezu
unbegrenzten Spannweiten, sowohl seitlich als auch in der Höhe,
können hier große Lichtflächen geschaffen werden.
Als Zubehör empfielt sich ein Regen- und Windsensor.
|
 Schnitt
des neuen Fensters.
|
|
Aber
auch die gute alte Pappschindel läßt sich
zumindest optisch noch aufwerten. Als deutsche
Schuppenschablonendeckung geformt, hab ich das auch noch nicht
gesehen.
Wirklich
innovativ waren hingegen die Aussagen eines
Herstellers eines Aufsparren-Dämmsystems aus
Polystyrol-Elementen. Immerhin hat man hier etwas mehr
Hinterlüftung der Eindeckung, mehr aber denn doch
nicht. Interessant waren folgende Anmerkungen: 1. Wir haben
bislang jeden door-test (auf Nachfrage stellte sich heraus, es
waren 2 Tests) standgehalten ( was immer das heißen mag ).
Die Werte konnte der gute Mann allerdings nicht nennen. 2.
Deshalb brauchen wir keine seperate Luftdichtschicht. Im Bereich
der Kehlen und Grate, des Firstes und der anderen Übergänge
kommt Dosenschaum zum sicheren Einsatz. ( Auf die Nachfrage,
ob er wüßte, daß PU-Schaum im Sinne der DIN 4108
nun gerade nicht als dauerhaft und sicher gilt, kam die Antwort:
wir haben bislang jeden door-test bestanden. s. o.)
3.
Auch die Art der ja doch zumindest in den Randbereichen
erforderlichen Befestigungen der Eindeckung war spannend. Wurde
uns hier doch die gute alte Hohlziegelklammer präsentiert.
Als Kopfklammer, die von oben in das Polystyrol gesteckt wird,
soll sie den Stürmen dieser Welt trotzen. ( Auch hier kam
die Nachfrage, ob ihm denn bekannt sei, daß die Kopfklammer
als solche ansich keine Zulassung mehr hätte und das mit der
einfachen Einsteckmethode sicherlich nicht die
erforderlichen Auszugwerte eingehalten würden, wurde uns
erklärt: Das wurde geprüft und das machen wir schon
seit 25 Jahren so und es hat noch nie Probleme damit gegeben. Und
man müsse schließlich immer Kompromisse eingehen)
Als weitere
Befestigungsmöglichkeit präsentierte er uns schließlich
noch den bekannten Schaum als das sicherste Mittel schlechthin.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Auch die Art der
hier sichtbaren Befestigung des Systemes auf dem Sparren selber
erscheint zumindest im Sinne der DIN 1055 (Annahme von
Windlasten) recht fragwürdig. Ob nämlich eine Schraube
(8 mm) mit einer ca. 22 mm breiten Unterlegscheibe ausreichend
ist, wenn keine weiteren Latten o. ä. Zur Anwendung
kommt? Und was ist überhaupt mit den Schubkräften?
4.
Auf die Frage, ob denn dieses System auch die Funktion einer
Unterspannung oder einer Unterdeckung übernehmen könne,
kam lediglich ein Achselzucken, mit der Bemerkung, wir haben noch
nie Probleme in diesem Bereich gehabt.
5. Als Antwort auf
die Problematik eindiffundierender Feuchtigkeit im Bereich von
Feucht- bzw. Schlafräumen wurde erklärt, daß hier
selbstverständlich eine Fermacell-Platte angeordndet werden
müsse, da man ja schließlich nicht unter das
Polystyrol gucken wolle. Unklar, weil ohne weitere Aussage des
Herstellers, blieb die Frage, ob die Platte als Dampfbremse oder
als Luftdichtschicht fungieren solle.
Solche Fachfirmen
und auch die seriösen Dachbeschichter lassen
zumindest diese Messe als Fachmesse in einem etwas anderen Licht
erscheinen. Seriöse und innovative Bereiche werden hingegen
durch überhöhte Standgebühren abgewürgt.
Überhaupt war
die Messe auch für den Verbraucher absolut überteuert.
7 Euro für den Parkplatz, der weder überdacht noch
wirklich ordentlich war, was bei Dauerregen nicht gerade
prickelnd wäre, dazu anders als z. B. In Hannover kein
Shuttleservice, ist erheblich zu teuer. Passend dazu die 12
Euro Eintrittsgeld, die für die Größe dieser
Veranstaltung ebenfalls außerhalb jeden Rahmens stehen.
©
stefan ibold 2003
|
 Alter
Klassiker in neuer Form.
 Luftdicht
und sturmsicher
|