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Bericht Deubau Essen 2002



Hier der etwas andere Bericht zur Deubau in Essen nach dem Besuch vom 19.01.2002.

Eigentlich fing der Besuch gleich mit einem etwas mißglücktem Parkversuch an.


( Ist keiner von uns :)) )

Doch die Ernüchterung kam schnell.

Dämmstoffsysteme, billig angeboten, billig ausgestellt, aber großspurige Versprechen.
Als Beispiel mag hier ein Hersteller eines Auflattdämmsystems gelten. Dabei möchten wir
der Leserschaft die Bilder nicht vorenthalten, zunächst aber die Versprechen:

Aber lassen wir Bilder sprechen:


Soviel zum Thema Wärmebrücken im Material und Ziegelhinterlüftung.


Auch der Detailpunkt First gibt dem Fachmann zu denken.

Weiter gings zum Legostand. Ein Gespräch war angesichts dieser Tatsachen allerdings überflüssig.
Kleiner Tipp: die Verstrebungen sind schicke Schallbrücken und fürs Betonieren auch nicht unbedingt
einfacher zu handhaben.




Dem Aufsparrendämmsystemhersteller, der Traglatten von 30/30 mm verwendet hat, verzeihen wir hier mal
großzügig, weil so doof kann kein Handwerker sein.



Aber zurück zur Kundentäuschung. Und hier wurden wir erneut bitter erfolgreich. Das Nachfolgende ist
nicht erfunden und es ist nichts hinzugeschummelt.

Zuerst der „Werbebrief“ und hier müssen wir zitieren, denn Sie werden nachher merken warum.
„.... Ihr Dach wird nicht nur unansehnlich, es hat auch keine Schutzschicht mehr. Die Feuchtigkeit zieht in die Pfanne, Moos
wächst unter die Falz.“

( Anmerkung der Autoren: nach Besichtigung eines alten Betondachsteines, bei dem offensichtlich die Flechtenbildung im Bereich
der Falze mechanisch entfernt wurde, wurde uns erzählt, daß in den Falzen keine Verunreinigungen vorhanden wären, und dadurch
auch keine Gefahr vorhanden wäre, wenn mit dem Hochdruckreiniger die Dachfläche gereinigt würde, Wasser würde nicht eindringen).

„Wir sanieren mit einem umweltfreundlichen Hochdruckverfahren und einer anschließenden Acrylbeschichtung kostengünstig Ihr Dach.
Zu unserem Service gehört selbstverständlich die Überprüfung Ihres Firste und anschließende Ausbesserung, Überprüfung aller
Verbleiungen auf Dichtigkeit, und das Auswechseln defekter Pfannen. ... Auf Wunsch wechseln wir auch defekte Dachfenster oder
Dachrinnen aus“.

(Anmerkung der Autoren: Die Reinigung mit dem umweltfreundlichen Hochdruckverfahren besteht aus einem Strahl mit 300 Bar.
Dabei wird jedem Laien klar sein, daß ein Mörtelfirst diesem Druck nicht standhalten kann, also wohl zwangsläufig nachgebessert
werden muß.
Nebenbei muß auch deutlich gesagt werden, daß diese Aufgaben, nämlich die Ausbesserungen und der Austausch von Dachrinnen und Dachfenstern
nicht in das vorhandene Gewerk gehören, dieses Gewerk darf das nicht, sondern ausschließlich in Dachdeckerfachhände.)

„Bei uns kaufen Sie keine Katze aus dem Sack ... . Für unser Produckt geben wir Ihnen die vom Gesetzgeber vorgesehene Höchstgrenze
von 5 Jahren (BGB)

(Anmerkung der Autoren: wir sind zwar keine Juristen, unsere folgenden Aussagen sind folglich persönliche Meinungen, aber:
eine Garantierleistung (nebenbei etwas anderes als eine Gewährleistung) kann durchaus länger gegeben werden. Von einer
Höchstgrenze kann folglich eigentlich keine Rede sein. Hier soll aber suggestiert werden „wir würden ja gerne länger, dürfen aber leider nicht“.)

Im Gespräch mit einem anderen Kunden wurde erwähnt, daß durch die gleichmäßige Farbschicht, die sich ebenfalls über die Überdeckungen
der Betondachsteine legen würde, also einen großflächigen Film bilden würde, würde die Winddichtigkeit des Daches erheblich verbessert.

( Anmerkung der Autoren: Klar, allerdings ist diese Winddichtigkeit in der falschen Ebene. Die Eindeckung muss hinterlüftet werden. Ist nun an den
Traufen ein ohnehin eingeschränkter oder gar kein Lüftungsraum vorhanden, wird der verbleibende Rest in den Fuggen durch „abdichten“ der Fugen
ebenfalls zerstört. Weiterhin wird dadurch die Hinterläufigkeit der Beschichtung ermöglicht.)

Auf die Frage der Autoren, ob und wie eine mit Asbestzementwellplatten eingedeckte Doppelgarage ebenfalls zu behandeln wäre, und das mit dem
Asbest bei der notwendigen Reinigung (ebenfalls mit 300 Bar Druck) keine Probleme geben würde, kam die Antwort:
das ist ein Service von uns. Das geht so schnell, da kann kein Nachbar so schnell reagieren. Es ist uns klar, daß wir das aber eigentlich nicht dürfen.

( Anmerkung der Autoren: die TRGS 519 sagt eindeutig aus: (vereinfacht ausgesagt) Asbest darf nicht bearbeitet werden, es darf nur durch entsprechend
zugelassene Fachbetriebe zurückgebaut und entsorgt werden).

Aus rechtlichen Gründen verzichten wir auf die Veröffentlichung der Prospektbilder. In den Originalvorlagen (die waren offen einzusehen) waren die
Mitarbeiter auf den Dächer nicht gesichert. Bei den Prospektbildern wurden nachträglich Sicherheitsseile eingebaut. Gerüste werden, so die Aussage,
normalerweise nicht benötigt.

( Anmerkung der Autoren: die oben getätigte Aussage widerspricht eindeutig den Unfallverhütungsvorschriften. )

Passend dazu auch die Preisbildung: ca. 14 Euro/m² zzgl. MwSt. einschl. aller erforderlicher Gerüste ( dazu s. oben )als Festpreis; steinstark :((

Fazit zum Thema Dachbeschichtungen aus Autorensicht: Hier wird nur der schnelle Euro gesehen. Eine echte Qualitätsverbesserung, eine
verlängerte Lebenserwartung für das Dach ist nicht erkennbar. Wir können, wie schon an anderer Stelle, nur vor dem Einsatz solcher
„Fachleute“ warnen.

© Stefan Ibold, Martin Beisse

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