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Bericht Deubau Essen 2002 |
Hier der etwas andere Bericht zur Deubau in Essen nach dem Besuch vom 19.01.2002.
Eigentlich fing der Besuch gleich mit einem etwas mißglücktem Parkversuch an.

(
Ist keiner von uns :)) )
Doch die Ernüchterung kam schnell.
Dämmstoffsysteme, billig
angeboten, billig ausgestellt, aber großspurige
Versprechen.
Als Beispiel mag hier ein Hersteller eines
Auflattdämmsystems gelten. Dabei möchten wir
der
Leserschaft die Bilder nicht vorenthalten, zunächst aber die
Versprechen:
Lt. Energieeinsparverordnung
ist bei Sanierungen ein k-Wert von 0,28 W/m²K
erforderlich.
( Anmerkung Autoren: Nein, bei der Steildach - Sanierung ist es ein
U-Wert von 0,30 W/m²K.)
Klammern
ist kein Problem. Bei einem namhaften Hersteller von Klammern wird
z.Zt.
getestet. Dabei ist auch ein Styropordübel, den man
mit einer Umdrehung befestigen
kann, geplant.
( Anmerkung
Autoren: der namhafte Hersteller ist uns bekannt, Klammern
für
diese Systeme gibt es von ihm nicht und sind bislang auch nicht
geplant. Polystyroldübel
werden die Anforderungen an die DIN
1055, Annahme von Windlasten; nicht erfüllen können)
Dieses
System kann als Unterdach bis 22° Dachneigung verarbeitet
werden.
( Anmerkung Autoren: Unterdach suggeriert als Begriff
eine Zusatzmaßnahme, die die Dachneigung
verringern läßt.
22° sind aber oftmals die Regeldachneigung)
Eine
vorhandene dampfbremsende Unterspannung muß vorher rückgebaut
oder mindestens
perforiert werden, damit Feuchtigkeit durch das
Dämm-Material durchwandern kann.
(Anmerkung der Autoren:
Polystyrol hat bei hier vorhandenen 180mm dicken Platten einen
Sperrwert
von ca. 12 m. Der Hersteller hat ausdrücklich
auch lediglich vorhandene Paneele oder Nut- und
Federbretter als
Innenbekleidung als funktionstüchtig erklärt. Deren
Sperrwert ist allerdings erheblich
geringer. Eine zusätzliche
Dampfbremse wurde nicht für erforderlich erachtet).
Eine
luftdichte Schicht ist nicht erforderlich.
(Anmerkung der
Autoren: spätestens hier fiel es uns schwer, ruhig und sachlich
den Kunden zu spielen.
Hier werden eindeutig Vorschriften
verletzt!)
Fugen
von bis zu 2 cm im Bereich der Überdeckungen, die durch größere
Lattweiten in diesem System
entstehen, sind ohne Bedeutung. Der
Dämmwert würde nicht nachteilig beeinflußt.
(Anmerkung
der Autoren: der Wahnsinn bekommt Methode. Von Wärmebrücken
hat der Hersteller
anscheinend noch nie gehört. In
Verbindung mit den offenen Innenbekleidungen ist an diesen
Stellen
Tauwasserausfall vorhersehbar).
Die
Hinterlüftung der Ziegeleindeckung erfolgt durch eine
Düsenwirkung bei den Platten. Diese entwickelt
sich zwischen
den Aufschäumungen, in denen die Ziegel eingehängt
sind.
(Anmerkung der Autoren: Nicht nur, daß hier
offensichtlich massiv gegen die Fachregeln des
deutschen
Dachdeckerhandwerks verstoßen wird, hier werden
zu erwartene Schäden ganz klar ignoriert).
Die
Beispielverbrauchsrechnungen sprechen Bände:
Beispiel 1:
Ein nicht gedämmtes Dach eines Hauses hat
einen k-Wert
von 5,6 x 8,4 = 47,04 l pro m² Dachfläche
und
entspricht bei nur 100 m² = 4.704 l
Beispiel
2: Ein mit dem Dämm-element
X XXX gedecktes Dach
hat einen k-Wert von 0,18 x 8,4 = 1,51 l
pro m² Dachfläche
und entspricht bei 100 m² 151
l
(Anmerkung der
Autoren: man sollte den Hersteller vielleicht mal auf die
Prospekthaftung hinweisen. Die Werte
sind nicht nur enorm
vereinfacht berechnet, sondern entbehren jeglicher sachlicher
Grundlage).
Durch
den Preis von 30 Euro ab Werk, ist dieses System enorm
wettbewerbsfähig im Vergleich zu einer
sonstigen
Sanierung.
(Anmerkung der Autoren: wer kalkulieren kann, der wird
feststellen, daß hier sämtliche
Transportkosten,
anfallende Händlerprovisionen, etc. nicht
enthalten sind. Dieses System wird im Vergleich zu einer
Standardsanierung eben nicht günstiger, sondern bei aller
Fehlerbehaftung gleich teuer, unter Berücksichtigung
der
notwendigen zusätzlichen Erfordernisse, sogar nicht unerheblich
teurer).
Aber lassen wir Bilder sprechen:
Soviel
zum Thema Wärmebrücken im Material und Ziegelhinterlüftung.
Auch
der Detailpunkt First gibt dem Fachmann zu denken.
Weiter
gings zum Legostand. Ein Gespräch war angesichts dieser
Tatsachen allerdings überflüssig.
Kleiner Tipp: die
Verstrebungen sind schicke Schallbrücken und fürs
Betonieren auch nicht unbedingt
einfacher zu handhaben.

Dem
Aufsparrendämmsystemhersteller, der Traglatten von 30/30 mm
verwendet hat, verzeihen wir hier mal
großzügig, weil
so doof kann kein Handwerker sein.
Aber
zurück zur Kundentäuschung. Und hier wurden wir erneut
bitter erfolgreich. Das Nachfolgende ist
nicht erfunden und es ist
nichts hinzugeschummelt.
Zuerst
der Werbebrief und hier müssen wir zitieren, denn
Sie werden nachher merken warum.
.... Ihr Dach wird nicht
nur unansehnlich, es hat auch keine Schutzschicht mehr. Die
Feuchtigkeit zieht in die Pfanne, Moos
wächst unter die
Falz.
(
Anmerkung der Autoren: nach Besichtigung eines alten
Betondachsteines, bei dem offensichtlich die Flechtenbildung im
Bereich
der Falze mechanisch entfernt wurde, wurde uns erzählt,
daß in den Falzen keine Verunreinigungen vorhanden wären,
und dadurch
auch keine Gefahr vorhanden wäre, wenn mit dem
Hochdruckreiniger die Dachfläche gereinigt würde, Wasser
würde nicht eindringen).
Wir
sanieren mit einem umweltfreundlichen Hochdruckverfahren und einer
anschließenden Acrylbeschichtung kostengünstig Ihr
Dach.
Zu unserem Service gehört selbstverständlich die
Überprüfung Ihres Firste und anschließende
Ausbesserung, Überprüfung aller
Verbleiungen auf
Dichtigkeit, und das Auswechseln defekter Pfannen. ... Auf Wunsch
wechseln wir auch defekte Dachfenster oder
Dachrinnen aus.
(Anmerkung
der Autoren: Die Reinigung mit dem umweltfreundlichen
Hochdruckverfahren besteht aus einem Strahl mit 300 Bar.
Dabei
wird jedem Laien klar sein, daß ein Mörtelfirst diesem
Druck nicht standhalten kann, also wohl zwangsläufig
nachgebessert
werden muß.
Nebenbei muß auch
deutlich gesagt werden, daß diese Aufgaben, nämlich die
Ausbesserungen und der Austausch von Dachrinnen und
Dachfenstern
nicht in das vorhandene Gewerk gehören, dieses
Gewerk darf das nicht, sondern ausschließlich in
Dachdeckerfachhände.)
Bei
uns kaufen Sie keine Katze aus dem Sack ... . Für unser Produckt
geben wir Ihnen die vom Gesetzgeber vorgesehene Höchstgrenze
von
5 Jahren (BGB)
(Anmerkung
der Autoren: wir sind zwar keine Juristen, unsere folgenden Aussagen
sind folglich persönliche Meinungen, aber:
eine
Garantierleistung (nebenbei etwas anderes als eine Gewährleistung)
kann durchaus länger gegeben werden. Von einer
Höchstgrenze
kann folglich eigentlich keine Rede sein. Hier soll aber suggestiert
werden wir würden ja gerne länger, dürfen aber
leider nicht.)
Im
Gespräch mit einem anderen Kunden wurde erwähnt, daß
durch die gleichmäßige Farbschicht, die sich ebenfalls
über die Überdeckungen
der Betondachsteine legen würde,
also einen großflächigen Film bilden würde, würde
die Winddichtigkeit des Daches erheblich verbessert.
(
Anmerkung der Autoren: Klar, allerdings ist diese Winddichtigkeit in
der falschen Ebene. Die Eindeckung muss hinterlüftet
werden. Ist nun an den
Traufen ein ohnehin eingeschränkter
oder gar kein Lüftungsraum vorhanden, wird der verbleibende Rest
in den Fuggen durch abdichten der Fugen
ebenfalls
zerstört. Weiterhin wird dadurch die Hinterläufigkeit der
Beschichtung ermöglicht.)
Auf
die Frage der Autoren, ob und wie eine mit Asbestzementwellplatten
eingedeckte Doppelgarage ebenfalls zu behandeln wäre, und das
mit dem
Asbest bei der notwendigen Reinigung (ebenfalls mit 300
Bar Druck) keine Probleme geben würde, kam die Antwort:
das
ist ein Service von uns. Das geht so schnell, da kann kein Nachbar so
schnell reagieren. Es ist uns klar, daß wir das aber eigentlich
nicht dürfen.
(
Anmerkung der Autoren: die TRGS 519 sagt eindeutig aus: (vereinfacht
ausgesagt) Asbest darf nicht bearbeitet werden, es darf nur durch
entsprechend
zugelassene Fachbetriebe zurückgebaut und
entsorgt werden).
Aus
rechtlichen Gründen verzichten wir auf die Veröffentlichung
der Prospektbilder. In den Originalvorlagen (die waren offen
einzusehen) waren die
Mitarbeiter auf den Dächer nicht
gesichert. Bei den Prospektbildern wurden nachträglich
Sicherheitsseile eingebaut. Gerüste werden, so die
Aussage,
normalerweise nicht benötigt.
( Anmerkung der Autoren: die oben getätigte Aussage widerspricht eindeutig den Unfallverhütungsvorschriften. )
Passend dazu auch die Preisbildung: ca. 14 Euro/m² zzgl. MwSt. einschl. aller erforderlicher Gerüste ( dazu s. oben )als Festpreis; steinstark :((
Fazit
zum Thema Dachbeschichtungen aus Autorensicht: Hier wird nur der
schnelle Euro gesehen. Eine echte Qualitätsverbesserung,
eine
verlängerte Lebenserwartung für das Dach ist nicht
erkennbar. Wir können, wie schon an anderer Stelle, nur vor dem
Einsatz solcher
Fachleute warnen.
© Stefan Ibold, Martin Beisse
Artikel
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